Mit Hochdruck heilen

Schmerzen am Bewegungsapparat sind in der Bevölkerung weit verbreitet. Häufig handelt es sich um Fehlbelastungen von Muskeln, Bändern und Sehnen, welche dann zu Entzündungen am Übergang zwischen Sehne und Knochen führen.

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Weit verbreitet sind zum Beispiel der Fersensporn beziehungsweise die sogenannte Plantarfasziitis. Hierbei haben die Betroffenen Schmerzen bei jedem Schritt, sodass die Lebensqualität stark eingeschränkt ist. Diese Problematik wird in erster Linie mit speziellen Einlagen therapiert, um die chronische Fehlbelastung zu beheben. Leider reicht dies alleine bei vielen Patienten nicht und die Entzündung heilt nicht aus. Bisher wurden dann häufig Injektionen mit Kortison durchgeführt, wobei allerdings ein nicht zu unterschätzendes Risiko für die Entstehung einer Infektion oder Sehnenruptur (Sehnenriss) besteht. 

Ein weiteres häufiges Problem im Bereich der Füße ist die sogenannte Achillodynie. Hierbei bestehen Schmerzen an der Achillessehne, man ist beispielsweise kaum in der Lage, Treppen zu laufen. Manchmal kommt es hier auch zu sichtbaren Verdickungen der Sehne als Ausdruck der Entzündung. Weit verbreitet sind außerdem der Tennis- oder Mausellenbogen oder die sogenannte Kalkschulter. 

Bei all diesen Erkrankungen handelt es sich um Entzündungen an überbeanspruchten Bändern oder Sehnen, welche im Extremfall zu im Röntgenbild sichtbaren Verkalkungen führen können. Diese müssen dann nicht selten operiert werden. 

Abhilfe verspricht die Stoßwellentherapie.

Bei dieser Technologie werden hochenergetische Schallwellen direkt auf die erkrankte Struktur fokussiert. Mit diesem Verfahren können sie ähnlich wie bei einem Brennglas gebündelt und bis zu sieben Zentimeter tief in das Gewebe geleitet werden. 

Das Besondere an diesem Verfahren ist, dass die Hauptenergie nicht auf der Haut, sondern in der Tiefe erzeugt wird, sodass die Haut als empfindlichstes Organ nicht verletzt wird. Es gelingt so problemlos, im tiefer gelegenen Gewebe, Drücke von 100 bar zu erzeugen (zum Vergleich: Autoreifen 2-3 bar; Hochdruckreiniger 80 bar). 

Durch diese hohen Energien im erkrankten Gewebe werden körpereigene Substanzen (Substanz P) freigesetzt und die Durchblutung wird gesteigert, sodass die Selbstheilungskräfte derart aktiviert werden, dass die Entzündung zur Ausheilung kommt, beziehungsweise der Kalk verschwindet. Erste Verbesserungen verspüren die Patienten häufig schon zwei bis drei Tage nach der ersten Therapie, auch wenn das Problem schon viele Monate bestanden hat. Erfahrungsgemäß werden je nach Erkrankung drei bis sechs Therapien im Abstand von ein bis zwei Wochen erforderlich. Das Verfahren ist vollständig ungefährlich, kann aber während der circa zehnminütigen Therapie etwas unangenehm sein. Darüber hinaus wird die Stoßwellentherapie zunehmend auch für andere Erkrankungen aus dem orthopädischen/unfallchirurgischen Fachgebiet erfolgreich eingesetzt. 

Die Abrechnung erfolgt nach Empfehlung der Bundesärztekammer mit der Ziffer 1800a (Einfachsatz: 86,27 Euro) und wird von den privaten Krankenkassen, den Beihilfestellen und der Berufsgenossenschaft für die gängigen Indikationen in der Regel übernommen. Im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen wird die Stoßwellentherapie nicht vergütet, allerdings wird die Kostenübernahme für den Fersenschmerz (Achillodynie und Fersensporn) durch den Gemeinsamen Bundesausschuss derzeit nach aktueller Studienlage geprüft.