Künstliches Hüftgelenk

Was sind die Aufgaben des gesunden menschlichen Hüftgelenkes?

Das Hüftgelenk wird auch als Kugelgelenk bezeichnet und bildet die Verbindung des Rumpfes mit den Beinen. Es besteht aus einer Hüftpfanne, die sich im Beckenknochen befindet, und einem Hüftkopf. Der Hüftkopf sitzt am obersten Teil des Oberschenkelknochens. Pfanne und Kopf sind bei einem gesunden Hüftgelenk mit einer Knorpelschicht überzogen. Das Gelenk selbst wird von einer Gelenkkapsel umgeben. Im Gelenkspalt (zwischen Hüftkopf und Hüftpfanne) ist Gelenkflüssigkeit, die bei jeder Bewegung ein reibungsloses Gleiten des Kopfes in der Pfanne ermöglicht.

Erkrankungen des Hüftgelenkes

Schwere krankhafte Veränderungen können dazu führen, daß ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt werden muß. Die bekannteste und häufigste Ursache, die zur Erkrankung führt, ist die Arthrose (=Abnutzungserkrankung). Zahlreiche angeborene und erworbene Erkrankungen sowie Verletzungsfolgen können ebenfalls zu einem Gelenkverschleiß führen.

Bei einem gesunden Hüftgelenk ist die Knorpelschicht eine glatte Fläche. Aufgrund des krankhaften Verschleißes bilden sich dort regelrechte Abstufungen, die einen gleichmäßigen Gelenkkontakt unmöglich machen. Es kommt zu Formveränderungen am Hüftkopf und an der Hüftpfanne, die Knorpelschichten von Kopf und Pfanne reiben sich gegenseitig immer mehr ab.

Dieser Vorgang führt zu Schmerzen bei Belastung, selbst schon bei kurzen Gehstrecken und schließlich auch im Ruhezustand. Wenn sämtliche nicht-operativen Heilungsmethoden nicht zu mehr Schmerzfreiheit und Wiederherstellung der Beweglichkeit führen, dann hilft Ihnen nur noch ein künstlicher Hüftgelenkersatz zur Verbesserung Ihrer Lebensqualität.

Was ist ein künstliches Hüftgelenk?

Die Idee, das vom Aufbau relativ einfache Hüftgelenk zu ersetzen, stammt aus dem Jahre 1890. Inzwischen werden weltweit jährlich ca. 800.000 und in Deutschland jährlich ca. 120.000 künstliche Hüftgelenke implantiert.

Das künstliche Hüftgelenk kann man in Teil- oder Totalprothesen unterscheiden. Bei den Teilprothesen werden nur der Hüftkopf und der Oberschenkelhals ersetzt. Die menschliche Hüftpfanne bleibt erhalten. Bei derTotalprothese werden sowohl der Oberschenkelhals, der Hüftkopf als auch die Hüftpfanne durch eine Totalprothese ersetzt, was häufiger der Fall ist.

Wie verläuft die Operation?

Die Hüftgelenkersatz-Operation wird für Sie völlig schmerzfrei in Teilnarkose (Rückenmarksbetäubung) oder in Vollnarkose durchgeführt werden. Der Anästhesist wird für Sie die geeignete Methode festlegen und mit Ihnen besprechen. Die Operation dauert je nach Fall zwischen 45 und 120 Minuten.

Nach einem Hautschnitt von ca. 20 cm Länge wird die Muskulatur zur Seite geschoben und dadurch das Hüftgelenk freigelegt. Der Oberschenkelhals wird durchtrennt und der erkrankte, zerstörte Hüftkopf entfernt. Zur Vorbereitung für den Einsatz des künstlichen Hüftgelenks wird die kranke Hüftpfanne ausgefräst. Die künstliche Hüftpfanne wird dann verankert.

Danach wird der Markraum des Oberschenkelknochens so präpariert, daß der Schaft exakt mit oder ohne Zement sitzt. Auf den Prothesenschaft wird der Prothesenkopf aufgesetzt. Die beiden Teile werden zu einem Gelenk zusammengefügt, d.h. der Schaft wird mit dem Kopf in die Pfanne eingepaßt. Die Muskeln werden vernäht und die Wunde wieder erschlossen. In das Gelenk werden hierbei Schläuche eingelegt, die den Bluterguß an der Hüfte abfließen lassen. Die Schläuche werden 2 Tage nach der Operation wieder entfernt.

Wie Sie sich nach der Operation verhalten sollten

Der Erfolg der Operation und die Haltbarkeit des Hüftgelenkes hängt entscheidend von der Nachbehandlung bzw. vom Verhalten danach ab.

Im Krankenhaus lernen Sie mit Hilfe des Physiotherapeuten, Ihr Gelenk wieder zu benutzen, so daß Sie nach Ihrer Entlassung die täglichen Verrichtungen des Lebens, z.B. Körperwäsche und Anziehen, wieder selbständig erledigen können.

Durch die Hüftgelenkoperation können Sie Ihr Leben wieder schmerzfrei und mit mehr Bewegung genießen. Vergessen Sie aber bitte nicht, Ihren Arzt in den nächsten Jahren regelmäßig zu Nachuntersuchungen aufzusuchen.

Hierdurch werden Komplikationen, die trotz Beschwerdefreiheit später auftreten können, frühzeitig erkannt. Die Nachuntersuchungen sollten Sie in den Prothesenpaß eintragen, den Sie mit dieser Patienteninformation erhalten.

Nachfolgend sind einige wichtige Verhaltensregeln aufgeführt, die mit zum Erfolg der Operation beitragen.

Was besonders günstig für Sie ist

  • Regelmäßig Schwimmen.
  • Regelmäßige Spaziergänge auf gut ausgebauten Wegen.
  • Sportarten mit leichten körperlichen Bewegungen z.B. Tanzen,
    Ski-Langlauf, Golf, leichte Gymnastik etc.
  • Tragen von Schnürschuhen mit weichen, elastischen Sohlen.
  • Richtiges Anziehen der Schuhe.
  • Auf dem Rücken liegen, bei Seitenlage nur mit einem Kissen zwischen
    den Beinen (in den ersten 12 Wochen nach der Operation).

Entscheidend für den Erfolg der Hüftgelenkoperation: die Nachbehandlung und das „richtige“ Verhalten.

Mit leichten physiotherapeutischen Übungen lernen Sie bereits im Krankenhaus, Ihr Gelenk wieder zu benutzen. Derartige Übungen sollten für Sie auch später, wenn Sie das Krankenhaus verlassen haben, ebenso zur Gewohnheit werden wie Schwimmen oder Spazierengehen auf gut ausgebauten Wegen - selbst eine kleine Fahrradtour (auf ebener Strecke) können Sie dann unternehmen.

Was Sie unbedingt vermeiden sollten:

In den ersten 12 Wochen nach der Operation sollten Sie alle extremen Belastungen der Hüfte vermeiden:

  • Sportarten mit ruckartigen Stoß-und Schwerbelastungen auf das Hüftgelenk
    (z.B. Tennis, alpiner Skilauf, Jogging, Sprungsportarten, Heimfahrradtrainer
    gegen Widerstand etc.).
  • Schwere körperliche Arbeiten.
  • Heben schwerer Lasten.
  • Arbeiten in häufig ungünstiger Körperhaltung sowie bei Nässe und Feuchtigkeit.
  • Gewichtszunahme, da dies zu einer vorzeitigen Auslockerung des Hüftgelenks führen kann.
  • Sitzen auf niedrigen Stühlen oder tiefen Sesseln, da hierbei das Hüftgelenk
    übermäßig gebeugt wird.
  • Sitzen mit überschlagenen Beinen.
  • In die Hocke gehen.

Haben Sie noch Fragen, dann wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren Arzt, der Ihnen gerne weiterhelfen wird.