Physikalische Therapie

Die physikalische Therapie fasst medizinische Behandlungsformen zusammen, die auf Methoden beruhen. Zu diesen Prinzipien zählen Wärme, Gleichstrom, Infrarot- und UV-Licht sowie Wasseranwendungen und mechanische Behandlung wie die Massage. Physikalische Therapie wird meist, aber nicht in jedem Fall von Physiotherapeuten oder Masseuren angewendet.

Zur Auswahl stehende Stromfomen

Gleichstrom
Galvanischer Strom, Iontophorese

Niederfrequenz (< 1000 Hz)
Faradischer Strom, Schwellstromstimulator, TENS (Transkutane elektrische Nervenstimmulation), Exponentialstrom, Diadynamischer Strom, Ultrareizstrom

Mittelfrequenz (1000 Hz- 1000 kHz)
Interferenzstrom

Hochfrequenz (über 1000 kHz)
Ultraschall, Ultraschall kombiniert mit Diadynamik, Kurzwelle, Dezimeterwelle, Mikrowelle.

Kontraindikationen
Metalle im stromdurchflossenen Gebiet, Sensibilitätsstörungen, Hautekzeme, akute eitrige Prozesse/Entzündungen, fiebrige Erkrankungen, Thrombosen, Trombophlebitiden, AVK II und III, venöse Rückflussstörungen (paradoxe Gefäßreaktion !), Herzschrittmacherpatienten, zentrale Lähmungen.
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Galvanischer Strom

Applikationsformen: Plattenelektroden (Quer- oder Längsdurchströmung, auf- und absteigende Form), Iontophorese, Vierzellenbad, Stangerbad (Vollbad).
Wirkung: konstanter Gleichstrom steigert die Reaktions- und Funktionsfähigkeit der motorischen Nerven. Hyperämisierend, analgetisch, antiphlogistisch.
Hauptindikation:
Arthrosen, Spondylosen, Tendinosen, Ligamentosen, Neuralgien (Intercostal-, Trigeminus-), Lumbago, Lumboischialgie, Myalgie, Distorsion, Hämatom, Durchblutungsstörung im Anfangsstadium, rheumatische Erkrankungen, Poliomyelitis.
Dosierung und Anwendungen (Plattenelektroden):
0,3-0,5 mA/cm2 Elektrodenfläche, 1-3 x/Wo., 10-20 Min., Serie von 12 Behandlungen. Dosierung nach subjektivem Stromgefühl und Krankheitsphase. Ein- und Ausschleichen des Stromes. Cave: bei hoher Stromdichte und zu kleinen Elektroden Verbrennungsgefahr.
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Iontophorese

Nutzung konstanten galvanischen Gleichstromes zur transkutanen Applikation von ionisierten oder undissoziierten Wirkstoffen.

Wirkung: je nach Medikament hyperämisierend, analgetisch und antiphlogistisch.
Hauptindikation: Arthrosis deformans, Periarthropathie, Myalgie, Tendomyose, Lumbago, Lumboischialgie, Epikondylopathien, posttraumatische Zustände.
Dosierung und Anwendung: akute Erkrankung tägl., sonst 3 x/Wo. 10 bis 20 Min.; Aufbringen des Medikaments je nach Ladung, „Polung" der Medikamente: Positive (unter Anode) / Negative (unter Kathode) Acetylcholin, Bienengift, Histamin, Novocain, Doioarthosenex®, Benerva®, Salicylsäure, Kaliumjodat, Heparin, Metamizol, Mobilat®, Exhurid®, Voltraren-Emulgel®
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Faradischer Strom / Faradisation

Therapeutische Anwendung niederfrequenter Reizströme (Dreieckimpulsströme).

Wirkung: Reizung quergestreifter Muskulatur
Indikation:
normal innervierte, schwache Muskulatur, leichte Paresen (wenn Muskel entartet, d.h. bei gestörter Reizleitung, besteht keine faradische Erregbarkeit mehr). Zeichen: Brennschmerz, Durchschlagen der Antagonisten. Konsequenz: Reizzeit(ms)-Reizstärke(mA)-Kurve erstellen [= It-Kurve, Information über Reizbedarf eines Muskels, Exponentialstrom benutzen]).
Dosierung und Anwendung:
2 x tägl. 15-20 Min. mit aktiver Muskelarbeit des Pat. (Elektrogymnastik).
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Exponentialstrom

Wirkung: Selektive Reizung denervierter Muskulatur in gesunder umgebender Muskulatur. Erhaltung der Kontraktilität von Muskelfasern bei entarteter Muskulatur, Begrenzen der Atrophie während Nervenregenerationsphase. Bahnung von funktionellen Bewegungsabläufen bei gestörter Restfunktion.
Voraussetzung:
Erstellen einer It-Kurve zur Testung des Funktionszustandes des motorischen Nerven und des Muskels. Daraus resultiert die optimale Einstellung der Reizparameter. Verlaufskontrollen des Heilungsprozesses durch regelmäßige It-Kurvenerstellung.
Hauptindikation:
Atrophisch schlaffe Paresen entzündlicher, traumatischer Genese (z.B. Polyradikulitis, peripherere Nervenschädigung wie Peroneusparese, Nervenwurzelschädigung).
Dosierung und Anwendung:
Oft reichen 20-30 Kontraktionen 2 x tägl. Sobald Kontraktion sichtbar schlechter wird (Überanstrengung der Mm.), Elektrotherapie beenden. Therapiedauer bei Aussicht auf Regeneration u. U. Monate.

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Diadynamische Ströme

Reizströme mit Gleichstrom- und Impulsstromanteilen. Fünf Stromqualitäten mit unterlegtem galvanischem Strom (DF, MF, CP, LP, RS), die einzeln oder kombiniert angewandt werden.

Wirkung: Alle analysierend, hyperämisierend. DF auch sympathikusdämpfend, CP stark analgesierend, MF tonisiert Bindegewebe, RS entspricht in etwa der Reizung mit faradischen Stromstößen.
Hauptindikation: Rheumatische Erkrankungen, Schmerzzustände (arthrogen, myogen, neurogen, postop.), Sudeck-Sy. RS bei Inaktivitätsatrophie.
Dosierung und Applikationsmöglichkeiten: Schmerzpunkt-, Nervenstamm-, paravertebrale und transregionale Anlegung. Beispiel: Lumbago DF 2 Min., CP 2 Min., LP 3 Min. paravertebral täglich beidseitig. Ca. 10-12 Anwendungen.
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Ultrareizstrom (Rechteckstrom)

Wirkung: stark analgesierend; hyperämisierend, entzündungshemmend. Schmerzlinderung tritt meist während der Behandlung ein.
Hauptindikationen:
degenerative WS-Erkrankungen, Arthrosen, Myalgien, Myogelosen, Neuralgien, Ischialgie, M. Bechterew im Anfangsstadium.
Dosierung und Anwendung:
1.-4. Tag je 15 Min., dann jeden 2. Tag. Stärke je nach Empfindung; deutliches Stromgefühl muss auftreten. Tritt nach der Ther. keine Schmerzlinderung ein, andere Stromform wählen!

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Transkutane elektrische Nervenstimmulation (TENS)

Rezeptierfähiges Analgesieverfahren durch niederfrequente Impuls- und Gleichströme zur Heim- und Selbstbehandlung (Abkürzung: TENS).

Wirkung: analgesierend (Erfolgsquote ca. 35%).
Indikation:
chron., kausal nicht behandelbare Schmerzzustände, z.B. Spannungskopfschmerzen, Rückenschmerzen, Neuralgien, Tumorschmerzen, Stumpf- und Phantomschmerzen.
Dosierung und Anwendung:
Kathode auf Schmerzpunkt mehrmals tägl. mind. eine, besser mehrere Stunden. Stromstärke und Frequenz kann vom Pat. selbst geregelt werden. Kriterium: deutlich spürbares Stromgefühl, subjektive Besserung.
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Interferenzstrom nach Nemec

Nutzung zweier sich kreuzender (Interferenz-) Stromkreise mit differierenden Wechselströmen zur Erzeugung endogen wirksamer Schwingung.

Wirkung: weitgehend wie diadynamische Ströme, analgesierend, hyperämisierend, resorptionsfördernd. Vorteil: tiefliegende Gewebeschichten werden ohne Hautreizung erreicht.
Hauptindikation: Schmerzzustände am Stütz-Bewegungsapparat z.B. Arthrose, Spondylose, PHS, WS-Syndrom, Epikondylopathie, Neuralgie, Neuritiden, trophische Störungen, M. Sudeck Stadium II III, Kontusion, Distorsion.
Dosierung und Anwendung: 3-15Min.; Serien von 6-12Behandlungen. I.d.R.vier Elektroden(z.B. Saugelektroden).
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Kurz-, Ultrakurz-, Mikrowelle (Hochfrequenz)

Erzeugung elektromagnetischer Felder. Je nach Frequenz und Applikatoren Steuerung der Tiefenwirkung der Wärme (Diathermie).

Wirkung: Hyperämie, Analgesie, Muskelrelaxation und Stoffwechselsteigerung. Es kommt nicht zu einer elektrischen Reizung von Gewebestrukturen.
Indikation:
Alle Erkrankungen, bei denen Wärme unter der Oberfläche erzeugt werden soll. Indikationsspektrum nahezu alle Fachbereiche der Medizin. In der Orthopädie degenerative (Arthrosen) und chron. Prozesse des Bewegungsapparates, Myalgien, rheumatische Erkrankungen (jedoch nicht im akuten Schub). Epikondylitls.
Anwendung und Dosierung: Faustregel: Wärmeintensität und Dauer umgekehrt proportional zur Aktivität des Prozesses.
KI: bei sensiblen Störungen in dem betreffenden Bereich, bei Metallteilen im Behandlungsgebiet, bei Herzschrittmacherpatienten und bei Kindern in der Nähe von Wachstumsfugen. OM, frische Hämatome.

Dosierung
nach Wärmegefühl des Patienten.

• Schwächste Dosis: keine Wärme zu spüren.

• Schwache Dosis : eben merkliche Wärme.

• Mittlere Dosis : angenehme, gut erträgliche Wärme.

• Starke Dosis : Wärme gerade noch erträglich.

Akute Erkrankungen: schwache Dosis, kurze Zeitdauer (2-5 Min.), tägl. Chron. Erkrankungen: höhere Dosis, längere Zeitdauer (10-15 Min.), größere Zeitabstände.

Kurzwelle
Zwei Methoden: Kondensatorfeld (elektrisches Feld) bzw. Spulenfeld (magnetisches Feld). Intensität der Ther. kann gut durch das subjektive Temperaturempfinden des Pat. geregelt werden.

Kondensatorfeldmethode: Längs- und Querdurchflutung möglich. Körperteil wird zwischen zwei Plattenelektroden gebracht und liegt als Teil des Gesamtstromkreises im elektrischen Feld. Tiefenerwärmung mit Fettbelastung

Spulenfeld: Verwendung einer einzigen als Spule ausgebildeten Elektrode zur Erzeugung eines hochfrequenten magnetischen Feldes. Absorption in gut leitendem Körpergewebe (Muskeln, Bindegewebe). Haut-, Unterhautfettgewebe wird nur geringfügig erwärmt. Oberflächennahe Erwärmung der Muskulatur mit Fettentlastung.

Mikrowelle
Strahlenfeldmethode. Oberflächennahe Erwärmung mit geringer Tiefenwirkung bei Fettentlastung

Dosierung und Anwendung
Faustregel: richtige Dosierung bei gerade spürbarer Wärme.

Ultraschall
Mechanische Longitudinalwellen erzeugen einmal Druckwechsel im Gewebe (mechanische Vibrationswirkung), zum anderen wird ein Teil der Schallenergie in Reibungsenergie umgewandelt (thermische Wirkung mit Vasodilatation). Im Weichteilgewebe entsteht dadurch "Mikromassage“ (am Knochen wird der Schall reflektiert). Eindringtiefe des Schalles bis ca. 8 cm möglich.

Wirkung: analgesierend, permeabilitätssteigernd, Lösen von Verklebungen, hyperämisierend und muskelrelaxierend. Anregende Wirkung auf Geweberegeneration.
Hauptindikationen: Myalgie, Neuralgie, Tendinose, Osteochondrose, Spondylarthrose, Gonarthrose, Koxarthrose, Epikondylopathie, Narbenkontraktur.
Dosierung und Anwendung: tägl., Pause nach 12 Behandlungen, mehrere Serien, evtl. Kombination mit diadynamischen Strömen. Je akuter die Erkrankung, desto niedrigere Intensität und kürzere Dauer (3-7 Min.); aber häufig hintereinander, evtl. Impulsschall. Je chron., desto höher die Intensität und längere Anwendungsdauer (5-15 Min.), weniger häufig; Dauerschall. Kontaktgel auf "ebenen" Flächen z.B. Schulter, LWS; subaqual auf "unebenen" Flächen wie Fuß, Hand, Ellenbogen. In der Praxis meist dynamische (bewegter Schallkopf) Anwendung. Intensität: niedrig: 0,15-0,3 Watt; hoch: 0,5-3 Watt. Beispiele: bei Bursitis 0,3 Watt, chron. Supraspinatussyndrom 0,7-1 Watt.

Ultraschallphonophorese: Transport von Medikamenten durch die Haut, wobei die entsprechende Salbe oder Gel als Kopplungssubstanz dient.

Kombination Ultraschall und Diadynamik: meist subjektiv besseres Ergebnis als bei einzelner Anwendung. Verstärkt Analgesie und mechanisch-thermische Wirkung z.B. bei Ischialgie, myofaszialen Syndromen, schmerzhafter Schultersteife.

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Kryotherapie

Lokale Anwendung von Eis zu therapeutischen Zwecken. Durch verschiedenartige Applikationsformen mit unterschiedlicher Einwirkzeit sollen Selbstheilungsprozesse unterstützt werden.

Wirkung

Gefäße: Vasokonstriktion für 2-3 Min., danach Vasodilatation mit deutlicher Hyperämie, stärkster Effekt nach 20 Min., über ca. 3 h abflauend wirksam

Atmung: Ventilation, Frequenz, Atembreite, bessere Lungenbelüftung

Nerven: Nervenleitgeschwindigkeit, Tonus bei spastischer Muskulatur

Vegetativum: RR, Herzfrequenz, Zellstoffwechsel, Stoffwechselaktivität?(günstig bei entzündlich gesteigerten Prozessen)

Muskulatur: kurzzeitig, mehrmals 2-3 Min. eher tonisierend, Langzeiteis bis?30 Min. eher detonisierend Schmerzempfindung: örtlich deutlich, nach 3-5 Min., günstig bei Gelenkbehandlung.

Applikationsformen

Eisbeutel: Brucheis aus der Eismaschine oder Eiswürfel in etwas Wasser in eine Plastiktüte füllen (Müllbeutel) und gut verschließen. Gute Anpassung an den Körper, keine Feuchtigkeitsabgabe. Einmalgebrauch. Dünne Unterlage zwischen Körper und Eis (Frottiertücher lassen zuwenig "Kälte" durch). Dosierung: mehrmals tägl. 15-30 Min.

Silikatkompresse (Kryopack): Gelartige, hydrierte Silikatmasse in Plastikhülle, auch gekühlt gut verformbar; mehrfach verwendbar, mit Desinfektionsmittel abwaschen. Cave: nach starker Kühlung (Gefrierfach -20 oC) Gefahr der Gewebeschädigung, unbedingt dünnen Stoff unterlegen

Frottierhandtuchtechnik: Frottierhandtuch in Salzwasser tauchen (1 kg Salz auf 5 l Wasser), auswringen, bei -15 oC einfrieren. Kurz kalt abspülen und bis zum Auftauen um Körperteil bzw. Gelenk legen

Eismassage, -abreibung: Eiswürfel aus dem Gefrierfach mehrfach über bestimmte Strukturen streichen, dazwischen Bewegungsübungen. "Eis-Lolly": für größere Flächen oder längere Anwendungsdauer. Zur Atemtherapie 2-3 x tägl. abreiben

Eistauchbad: Wasser mit Eiswürfel oder Brucheis im Verhältnis 2/3 Wasser, 1/3 Eis, Extremität mehrfach eintauchen, sofort üben

Ganzkörperkältetherapie: Ca. -110 oC, ca. 1-2 Min. Kältekammerbehandlung. Ind.: u.a. rheumatische Erkrankungen. Ziel: Abnahme der Krankheitsaktivität.

Kontraindikationen
Trophische Störungen; art. Durchblutungsstörungen, z.B. M. Raynaud, Kälteüberempfindlichkeit, Kälteallergie durch Histamin-Reaktion, Kälte-AK, Offene Wunden, Nieren-, Blasenentzündungen (bei großflächigen Anwendungen). Kleinkinder bis zu 6 J., alte anämische Pat. in schlechtem AZ. Deutliche Ablehnung durch den Patienten.
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Extension

Beschwerden von Seiten der Lenden- und Halswirbelsäule gehören zu den häufigsten orthopädischen Krankheitsbildern. Es kommt zu Blockierungen im Bereich der kleinen Wirbelgelenke an Hals- und Lendenwirbelsäule oder zu deutlichen Verschleißveränderungen im Bereich der betroffenen, schmerzhaften kleinen Wirbelgelenke.?Zur Lockerung dieser Verspannungen wird eine intermittierende Extension, d. h. Zugbehandlung im Bereich der Halswirbelsäule oder der Lendenwirbelsäule unter gleichzeitiger Anwendung von Mikrowellenwärme vorgenommen. Hierdurch kommt es häufig zur Lösung von Verklebungen der Facettengelenke, zur Lösung von Gelenkblockaden und auch zu Dehnungen im Bereich der betroffenen, verspannten Muskulatur im Bereich der Hals- oder Lendenwirbelsäule. Es handelt sich um ein wenig aufwendiges, häufig deutlich schmerzreduzierendes Verfahren der physikalischen, nicht invasiven Therapie.
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Massageliege

Mit der Massageliege erfolgt eine Akupressurmassage im Bereich der Wirbelsäule. Es erfolgt gewichtsabhängig eine weiche Massage angepasst an die Kontur der Wirbelsäule. Zusätzlich erfolgt eine Wärmeapplikation und auf Wunsch eine Vibration zur Stimulation von Nerven und Muskulatur. Eine Enkleidung ist nicht erforderlich und durch die Behandlung werden Verspannungen und die damit verbundenen Beschwerden ge